Namen der Rosen - Damaszenerrose Marie Louise
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Marie Louise von Österreich, Kaiserin von Frankreich (1791 - 1847)

 

geboren am 12. Dezember 1791 in Wien als älteste Tochter des österreichischen Kaisers Franz I und dessen zweiter Frau Marie Therese von Sizilien. Ihr vollständiger Name lautet Marie Louise Leopoldine Franziska Theresia Josepha Lucia und sie erhält die Titel 'kaiserliche Prinzessin und Erzherzogin von Österreich.'

Auf die Bildung der Erzherzogin wird kein besonderer Wert am österreichischen Hof gelegt, sie soll Würde und Anstand lernen, um in der Welt auftreten zu können. Die schüchterne, fügsame und ehrliche Marie Louise zeigt vorallem Interesse an Kunst, spielt Klavier und nimmt Zeichenunterricht. Auf Schloß Laxenburg widmet sie sich begeistert der Gartenarbeit, insbesondere ihrer Gemüsebeete. Sie wächst in einem fast bürgerlichen Milieu auf, aber ihr steht bereits im Alter von 2 Jahren ein eigener Haushalt mit 13 Bediensteten zur Verfügung. Sie wird mit liebevoller Strenge erzogen. Immer wieder wird der bescheidenen Marie Louise erklärt, dass ihre erste Pflicht Gehorsam gegen ihre Eltern sei.

Marie Louise liebt ihren Vater sehr, in hunderten von Briefen wendet sie sich schwärmerisch und herzlich an den vielbewunderten Papa. Als Marie Louise 15 Jahre als ist, stirbt ihre Mutter im Kindbett nach ihrer dreizehnten Entbindung.

Um die endgültige Zerschlagung der österreichischen Monarchie zu retten beschließt Kaiser Franz I eine Verbindung mit Frankreich zumal Napoleon Bonaparte die Legitimation des französischen Kaiserreichs erreichen und dringend einen Erben möchte. Österreich beginnt also Heiratspläne zu schmieden und Napoleon entscheidet sich schließlich für die aus der sehr fruchtbaren Habsburgerfamilie stammende Erzherzogin, ohne ihr vorher einmal persönlich begegnet zu sein.

Mit 19 Jahren heiratet also die hübsche und liebenswerte aber auch unreife und kindliche Erzherzogin im März 1810 den Feind Österreichs, der sie bereits zweimal aus Wien vertrieben hatte, Napoleon Bonaparte. Die Eheschließung in Wien findet in Abwesenheit des Bräutigams statt. Als Stellvertreter fungiert der Onkel Marie Louises, Erzherzog Carl. Marie Louise reist am 13. 03. 1810 nach Frankreich ab, wo ihre Großtante Marie-Antoinette vor wenigen Jahren geköpft worden war. Lediglich eine österreichische Hofdame, Gräfin Maria Lazansky darf sie begleiten. Die Übergabe der Braut findet am 16. März in Braunau statt.

In dem hölzernen Gebäude befinden sich drei Räume. Vom östlichen Raum, der österreichischen Seite, betritt Marie Louise mit ihrem Gefolge den mittleren Saal, von der gegenüberliegenden Seite tritt der französische Hofstaat herein, während die österreichischen Damen und Herren sich verabschieden und wieder zur österreichischen Seite hinaustreten. Marie Louise wird von der Schwester Napoleons, Caroline, Königin von Neapel, begrüßt, die sie auf ihrer weiteren Reise nach Frankreich begleiten wird. Napoleon reist Marie Louise entgegen und macht sie noch vor der offiziellen Eheschließung in Paris am 01. April 1810 zu seiner Frau.

Marie Louise Marie Louise ist die zweite Frau Napoleons, der seine erste Frau Josephine verlassen hatte, da sie ihm keinen Erben schenkte. Die Schwierigkeiten, die sich daraus ergaben, dass seine erste Ehe nicht vom Papst annulliert wurde, überging Napoleon. Wider Erwarten fassen die beiden Frischverheirateten Zuneigung zueinander. Napoleon schreibt an Marie Louise unzählige zärtliche Briefe, er vernachlässigt seine Staatsgeschäfte, um mit ihr zu plaudern oder auszureiten, er bemühte sich, ihr Unterhaltung zu verschaffen, aber in die politischen Angelegenheiten wurde sie nicht miteinbezogen. Marie Louise freundet sich mit einer ihrer französischen Hofdamen, der Herzogin von Montebello an.

Bereits am 20. März 1811 kommt der langersehnte Thronfolger, Napoleon II, zur Welt. Marie Louise hat eine schwere Geburt, da das Kind falsch liegt. Als nicht klar ist, ob man beide retten könne, entscheidet sich der Kaiser für Marie Louise. Doch alles geht gut und Marie Louise erholt sich rasch. Napoleon liebt seinen Sohn zärtlich, er spielt mit ihm und beschäftigt sich oft mit ihm.

Nach der Rußlandniederlage wird Marie Louise 1813 Regentin von Frankreich, während Napoleon den Feldzug gegen Preußen führt. Da sie jedoch zu einer richtigen Regentschaft nicht fähig war, wurden die Staatsgeschäfte von ihren Ratgebeern übernommen. Im Sommer 1813 erklärt Österreich Frankreich den Krieg, der geliebte Vater wendet sich gegen den geliebten Ehemann. Die junge Kaiserin steht jedoch treu an der Seite ihres Gatten, der mehrere Friedensangebote ausschlägt. Die alliierten Mächte fallen in Frankreich ein und stehen im Frühjahr kurz vor Paris. Wieder zögert Marie Louise unentschlossen: soll sie gemäß dem Befehl Napoleons fliehen oder die Stellung halten und dem Feind gegenübertreten ? Sie reist ab und verspielt damit den Thronanspruch ihres Sohnes.

Nach Napoleons Abdankung und Verbannung wird sie von der provisorischen französischen Regierung gezwungen, ihr Privateigentum, Silber, Tafelgeschirr und Schmuck abzugeben. Marie Louise ist in dieser Situation verzweifelt und unentschlossen, sie hat Angst um ihren Sohn und weiß nicht, ob sie Napoleon wirklich in die Verbannung folgen soll. Diese Entscheidung nimmt ihr Vater, Kaiser Franz I ihr ab und bestimmt, dass sie mit ihrem Kind nach Österreich kommen soll. Napoleon wird so von allen Mächten isoliert und Marie Louise wird ihn nicht mehr wiedersehen.

Sie erhält im Vertrag von Fontainebleau die Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla, die ihr Napoleon vertraglich zur Hochzeit geschenkt hatte. Im Sommer 1814 unternimmt sie ohne ihren Sohn, der in Wien bleiben muss, eine Reise nach Aix, begleitet von Adam Adalbert Graf von Neipperg, geb. 8. April 1775, der sie bewachen und beschützen soll und regelmäßig nach Wien Bericht erstattet. Graf Neipperg Der verheiratete Graf Neipperg trägt aufgrund einer Kriegsverletzung eine schwarze Augenklappe, er gilt als tapfer, unerschütterlich, aber auch als Schürzenjäger und feinsinniger Unterhalter. Auf dieser Reise wird er Marie Louise's Geliebter.

Endlich, im Frühjahr 1816, darf Marie Louise nach Parma reisen. Sie führt dort zusammen mit Graf Neipperg die Staatsgeschäfte. Am 1. Mai 1817 wird Albertine geboren, es folgt Wilhelm Albrecht 1819. Marie Louise bekennt sich öffentlich nicht zu ihren Kindern, die in der Nähe des Schlosses untergebracht sind. 3 Monate nach Napoleons Tod 1821, heiratet sie Graf Neipperg in morganatischer Ehe. Sie bekommen noch eine Tochter, Mathilde (geb. 1822). Sie führen in Parma ein ruhiges und beschauliches Leben. Marie Louise besucht ihren Sohn, der inzwischen den Titel Herzog von Reichstadt trug, nur unregelmäßig und in größeren Abständen in Wien.
Adam-Adalbert Graf Neipperg stirbt 1829 und Marie Louise ist darüber sehr bekümmert.

1831 bricht eine Revolution in Parma aus, die sich gegen die Härte und Intoleranz des Ministers Werklein richtet. Entschlossen lehnt Marie Louise sämtliche Zugeständnisse ab und bittet Österreich um militärische Hilfe. Sie flieht, aber österreichische Truppen stellen die Ruhe wieder her und Marie Louise kann zurückkehren. Im Sommer 1832 stirbt der Herzog von Reichstadt an Tuberkulose. Marie Louise reist erst sehr spät zu seinem Krankenbett, da sie wochenlang aus Wien falsch über seinen Gesundheitszustand informiert wird.

Marie Louise hat, einsam nach dem Tod ihres Mannes, geht mehrere Liebschaften ein, so mit dem Hauslehrer Zode, dem Tenor Lecomte und mit einem herzoglichen Kammerherren Sanvitale. Diese Beziehungen weit unter ihrem Stand führen zu einem gesellschaftlichen Skandal, da die betreffenden Herren nicht immer diskret sind. Sanvitale heiratet 1833 die erst 15-jährige Tochter Marie Louise's, Albertine.

Im August 1833 trifft Charles-René, Graf von Bombelles in Parma ein. Er soll als Obersthofmeister und Minister auf Vorschlag Österreichs in Parma die Geschäfte führen. Er gilt als loyal, gutherzig und ehrgeizig, fleißig und einfühlsam. Marie Louise heiratet den 6 Jahre älteren in morganatischer Ehe . Weiterhin führt sie ein einfaches und stilles Leben in Parma. Sie übersteht die Choleraepidemie 1836 und hilft durch Geld und Lebensmittel.

Sie stirbt am 17. Dezember 1847 mit 56 Jahren in Parma.

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Quelle: Irmgard Schiel: Marie Louise   Eine Habsburgerin für Napoleon
Deutsche Verlagsanstalt 1983 ISBN 3421061602